22. April 2020 hghoyer
12 Schritte Programm bei Liebessucht
Süchtig nach Liebe?
Was zunächst vielleicht etwas merkwürdig klingt, hat bei genauer Betrachtung keinen Seltenheitswert: Die sogenannte Liebessucht. Unter ihr leiden sowohl Männer als auch Frauen, aber es sind doch deutlich mehr Frauen von betroffen. Das mag daran liegen, dass Frauen in der Gesellschaft immer noch oft als das empfangende, weiche und anpassungsfähigere Geschlecht gesehen werden – und sich auch selbst so sehen. Was liegt da näher, als vor allem in Liebesbeziehungen wesentlich mehr zu ertragen, hinzunehmen und schön zu reden, als es eigentlich gesund wäre. In der Liebessucht neigen die Betroffenen dazu, im Sinne der Beziehung zum geliebten Menschen unterwürfiger, duldsamer und verzeihender zu sein, dass es ihnen selbst gut täte. Fehlverhalten, verbale oder körperliche Gewalt, Vertrauensbrüche, Betrug, alles wird verziehen und an eine zukünftige Besserung geglaubt. Mehr noch: Liebessüchtige Menschen suchen oft sogar das Problem nach einem Fehltritt des Partners bei sich selbst. Sie finden Gründe, die denjenigen dazu „getrieben“ haben. Sie finden Gründe, warum sie dennoch hinter ihm oder ihr stehen, bei einer vermeintlichen Besserung helfen oder das schlechte Verhalten schön reden. Und immer weiter wird daran geglaubt, dass eine geliebte Person sich ändern kann und wird. Die eigenen Bedürfnisse und Verletzlichkeit wird zur Seite geschoben, hinten an gestellt und dem Funktionieren der Beziehung geopfert. Oft scheint es sogar so, als würde Erfüllung gefunden in dieser Aufopferung. Und alles ist immerhin besser, als allein zu sein…

Liebessucht und Co-Abhängigkeit
Es ist nicht nur die opferbereite und bedingungslos gebende Charaktereigenschaft der Liebessüchtigen, die diese Beziehungen möglich macht. Genau genommen dient der Fokus auf die vielen Hürden und Schwierigkeiten der ungesunden Beziehung auch dem Liebessüchtigen, denn dieser begibt sich dadurch in eine Co-Abhängigkeit. Das bedeutet, die Energie, welche in die immer wieder problematischen Beziehungen investiert wird, gibt dem Liebessüchtigen etwas. Er fühlt sich gebraucht, gefordert, hat ein Thema, mit dem er sich beschäftigen und um das er sich drehen kann. Dabei kommen andere Lebensbereiche zu kurz, die aber vielleicht sehr gerne verdrängt werden. Die volle Aufmerksamkeit auf die anstrengende, herausfordernde und immer wieder enttäuschende Beziehung zu legen, scheint das Leben sinnvoll zu füllen. Denn (so redet man sich ein) was ist wichtiger, als die Liebe? Dafür lohnt es sich schließlich, zu kämpfen, Opfer zu bringen, und immer wieder an das scheinbar unmögliche zu glauben. Dadurch fühlt ein Liebessüchtiger sich erst richtig lebendig. Eine positive, respektvolle und funktionale Beziehung scheint kaum möglich zu sein, denn diese fühlt sich langweilig und leidenschaftslos an.

Das 12 Schritte Programm
Was kann nun im Kampf gegen die Sucht helfen? Ursprünglich wurde der Ablauf dieses Programmes von den anonymen Alkoholikern ins Leben gerufen. Das Programm dient dazu, das Leben des Süchtigen wieder zu ordnen und Schritt für Schritt eine Besserung herbei zu führen. Es ist dadurch sehr gut auf nahezu jede Art der Sucht umlegbar. Folgende Schritte beinhaltet das 12 Schritte Programm:

1. Zugeben, dass man der Sucht gegenüber machtlos ist – und as Leben nicht mehr meistern konnte.
2. Zu dem Glauben kommen, dass eine Macht, die größer ist als man selbst, einem die geistige Gesundheit wieder zurück geben kann.
3. Den Entschluss fassen, den eigenen Willen und das Leben der Sorge von Gott (in welcher Form man selbst ihn versteht) anzuvertrauen.
4. Eine Inventur (furchtlos und gründlich) im eigenen Inneren machen.
5. Gott, sich selbst und anderen Menschen gegenüber unverhüllt eigene Fehler zugeben.
6. Völlig bereit sein, die eigenen Charakterfehler beseitigen zu lassen von Gott.
7. Ihn demütig bitte, die Mängel von einem zu nehmen.
8. Eine Liste aller Personen machen, denen man Schaden zugefügt hatte und willig werden, ihn bei allen wieder gut zu machen.
9. Alles bei diesen Menschen wieder gut machen (wo immer es möglich ist), es sei denn man würde dadurch sie oder andere verletzen.
10. Die Inventur bei sich selbst fortsetzen und wenn man Unrecht hat, dieses sofort zugeben.
11. Versuchen, durch Gebet und Besinnung die Verbindung zu Gott (in welcher Forms man selbst ihn versteht), bewusst vertiefen. Ihn bitten, seinen Willen erkennbar werden zu lassen und einem die Kraft zu geben, diesen auszuführen.
12. Nachdem man ein eigenes spirituelles Erwachen durch diese Schritte erlebt hat, versucht man, diese Botschaft an Süchtige weiter zu geben und nach diesen Grundsätzen das tägliche Leben auszurichten.

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